Ingo Schulze
Neue Leben : die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa
2005

Der Roman erzählt die Geschichte eines jungen Mannes und Künstlers in der dramatischen Umbruchzeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Die Handlung beginnt im Januar 1990. Enrico Türmer ist Dramaturg am Theater der thüringischen Kleinstadt Altenburg. Zu diesem Zeitpunkt kehrt er der Kunst den Rücken und engagiert sich bei der Gründung einer neuen Wochenzeitung.
Hat sich der Leser erst einmal an die Form des Briefromans gewöhnt, wird er mit einer Fülle von Geschichten, Anekdoten und Erlebnissen belohnt. Enrico, der sich nach der Wende Heinrich nennt, adressiert seine Briefe an drei wichtige Adressaten: Nicoletta, seiner Geliebten im Westen, schildert er seine Jugend in der DDR. Die Briefe an seine Schwester Vera und den Dresdner Mitschüler und späteren Pfarrer Joachim Ziehlke behandeln die Zeit von Januar bis Oktober 1990, als die Wiedervereinigung in ihre ernste Phase trat: noch gab es die DDR und die Ost-Mark, aber die Zeiten werden rauer und unübersichtlicher. Diese Briefe bilden den Kern des Romans...

Daneben ist das Buch vor allem auch eine Hymne an eine vergessene Kleinstadt, die das Pech hat, nicht Weimar zu heißen, die aber gleichwohl viel hochrangige Kultur in ihren Mauern beherbergt. Die ehemalige Residenzstadt Altenburg, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, erscheint als ein Juwel der Vergangenheit, das niemand mehr braucht.
Das von der Kritik zwar nicht gerade begeistert gefeierte, aber durchweg gelobte und positiv besprochene Buch, das von einer großen Medienresonanz begleitet wird, gilt als der beste Roman zum Thema Wiedervereinigung.

Dietmar Wild

PRINTEMPS 2006
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